Wie auf einem alten Marktplatz
Es tönt für "Die Bremer Stadtmusikanten" im Weiten Theater
Zu den Zeiten, als in den tiefen Wäldern noch gefährliche Räuber hausten
und die Geschehnisse dort mangels elektronischer und Printmedien von Moritatensängern
dem staunenden Publikum offeriert wurden, zu diesen Zeiten durchstreiften auch "Die Bremer
Stadtmusikanten" die Lande. Märchenzeit.
Das Weite Theater nahm sich des allseits beliebten tierischen Abenteuers an. In der Inszenierung
von Dietmar Staskowiak lebt die Tradition der mittelalterlichen Marktplatzgeschichten auf und
lässt die vorzüglich agierenden Christine Müller mit dem Akkordeon sowie Martin
Karl mit der Ukulele (eine Art kleine Gitarre) musizierend und singend die Handlung kommentieren
sowie als menschliche Darsteller und Puppenspieler doppelt vorantreiben.
Herausgekommen ist eine bunte Mixtur von Anspielungen, künstlerischen Zitaten und wandlungsfähiger
Bühne. So erfreuten sich vor allem die kleinen Zuschauer der Vorstellung am letzten Märzsonntag an
der anfänglichen Musik-Clownerie mit Slapstick-Elementen, später meinte man als erwachsener
Beobachter plötzlich Liesl Karstadt und Karl Valentin vor sich zu sehen bis man sich dann bei den Ahnen
der Olsen-Bande wähnte. Und die gesungene Hymne für die Weltraumhündin Laika führte alle in
Sphären der Leichtigkeit.
Die beiden genannten Akteure gaben ihrem Eselhundkatzehahn-Affen Zucker und skizzierten sprachlich-schauspielerisch versiert die Märchenfiguren. Martin Karl, bekannt für seine mitunter
atemberaubenden artistischen Sprünge, ließ einiges davon aufblitzen und in puncto schneller
Wandelbarkeit stand ihm die junge Christine Müller sowieso in nichts nach.
"Etwas Besseres als den Tod finde ich allemal", machte sich jeder der vier Helden bei der Flucht in die
Ungewissheit Mut. Der Lohn – ein kleines eigenes Glück – wartete dann auch auf sie. Langer
Beifall der kleinen und größeren Zuschauer nach der knapp einstündigen Vorführung.
Und im Sinne der Moralsänger bleibt nur das Fazit: "Schlechte Schauspieler kennen keine Lieder. Drum,
wenn man im Weiten Theater singt, dann lass’ dich ruhig als Zuschauer nieder."
FMB