Ritter, Ritter oder Wir bauen eine Burg

Mit Parole, wie es sich gehört
Im WEITEN THEATER bauen zwei sympathische Ritter eine Burg

Die Kinder biegen sich vor Lachen über Fried und Karl. Sie mögen sie sofort. Die beiden Ritter sind ständig in Wort und Tat miteinander im Wettstreit und überlisten sich gegenseitig. "Hinter dir ein zweiköpfiger Drache!" ruft Karl aus – und schon besitzt er die Rüstung, nach der Fried seine Hand ausgestreckt hatte und sich nun schnell umdreht. Als der Drache tatsächlich auftaucht und sie merken, dass er nicht allein zu besiegen ist, da sind sie sich einig. Sie vertreiben ihn gemeinsam und befreien Prinzessin Rosalinde. [...]

Das nicht zu überhörende Vergnügen der Kleinen gibt den Machern Recht. Die Kinder sind von Anfang bis Ende von der Handlung fasziniert. Sie amüsieren sich bereits, als die Ritter noch gar nicht aufgetaucht sind. Denn zu Beginn schnarchen sie in zwei Kisten und träumen beide von Rosalinde. Erst mal sehen, wer der Größte ist, wollen sie wissen, kaum, dass sie aufgewacht sind und der eine vom Traum des anderen erfährt. Sie recken sich und klettern auf überdimensionale Bausteine, aus denen sie danach zusammen eine schöne Burg bauen.

Gegeneinander und Miteinander wechseln sich ab im Spiel von Martin Karl als Fried und Björn Langhans als Karl. Sie halten zusammen Wache, üben sich in Kraftproben oder im Minnesang. Einfach wie fantastisch ist die Ausstattung des Stückes. Das zeigt sich vor allem im Ritterkampf, bei dem plötzlich Fensterbögen zu Pferden und Gitter zu Lanzen werden.

Sehr gut gelungen ist das neue Stück. Zeitweise wird mittelalterliche Musik eingespielt. Die beiden Darsteller erzeugen außerdem Tag- und Nachtgeräusche rund um die Burg und lassen aus Holzstücken geschaffene Burgwachen eine Art "stille Post" spielen, dass es ein Spaß ist. Den Kindern wird viel übers Ritterleben erzählt. Beispielsweise, dass man eine Parole braucht, um in die Burg der Prinzessin eingelassen zu werden. Aber sie – Fried und Teufels-Karl, wie sie sich am Ende stolz nennen, wissen natürlich, dass man "Bläulich zitternde Burgkuh" rufen muss. Dann geht’s rein ins Gemäuer. Und dass die Zugbrücke sich dafür noch oft hinabsenkt, ist dem Theater wie seinen Zuschauern zu wünschen.
Lucía Tirado, NEUES DEUTSCHLAND vom 22.04.2009