Das Institut

Das Institut – Ein Stück (Um-)Erziehung
Die neueste Inszenierung des WEITEN THEATER für Puppen und Menschen

Aus der absoluten Ruhe werde ich von einer "STRUWWELPETARRRRR!!!" skandierenden Schall-Welle auf meinen Sitz genagelt - was für ein Auftakt ...

meine strapazierten Lachmuskeln halten mich dort bis zum Schluss. In einem an Frankenstein und andere Alpträume erinnernden Laboratorium (Bau: Steffen Süß) erscheint zunächst das Faktotum Konrad (rührend – Torsten Gesser), dann dessen Herr, Prof. Dr. H. Hoffmann (artistisch – Martin Karl) und schließlich die eben erst eingetroffene Praktikantin Melanie (göttlich – Irene Winter).

Sie haben nur ein Ziel: ins Innerste des Menschen – in sein ICH, sogar sein SELBST einzugreifen! Aberwitzig spielt sich diese Geschichte nun in einem affenartigen Tempo vor den Augen der zwischen Vergnügen und Ungläubigkeit hin und hergerissenen Zuschauer ab. Es ist eine spannende Abwechslung aus Trash, Phantasie, schwärzestem Humor und unerwartet sensiblen und stillen Momenten, die jedoch im nächsten Moment mit einer Kaltschnäuzigkeit hinweggefegt werden, dass es einen gruselt.

Besonders die Interpretationen der allseits bekannten Geschichten des mit den Streichhölzern spielenden Paulinchen, des Suppenkasper und des Daumenlutschenden Konrad waren bei aller Rasanz des Stückes berührend.

Charaktere und Spiel des durchgeknallten Professors, des sich aus seiner Abhängigkeit befreienden Dieners und der zunächst undurchschaubaren Melanie überzeugen durchgehend durch ihre Genauigkeit und werden bis zum hoffnungsvollen Ende mit all ihren Skurrilitäten durchgehalten. Die Band (Malte Hahm – Git./ Voc., Daniel Bartoszek – Bass, Mike Hille – Drums) fügt sich mit ihrer wahrhaft "expressiv, hochenergetischen" Musik in den Wahnwitz der Inszenierung ein.

Die vertonten Texte des 150 Jahre alten Struwwelpeter-Buches (Kompositionen: ULCER) lassen keinen kalt. Ob Metal-Jünger oder nicht – es hätte einfach keine andere Musik sein können. Fazit: Auch wenn sich über die Lautstärke streiten lässt – es ist ein unterhaltsamer Theaterabend voller Überraschungen und schauspielerischem Können, den ich hiermit weiter empfehle!

Roland Andrich 11. Dezember 2004