Hase und Igel

Martin Karl zeigt, wie List auf Hochmut reagiert

Beim Stück "Hase und Igel" ist so richtig was los. Auch bevor die eigentliche Geschichte vom überheblichen Meister Lampe und dem listigen Stacheltierchen erzählt wird. [...] Die kleinen Zuschauer, die an diesem Donnerstag anwesend sind, finden sich ganz in das Spiel ein und jagen der bunten Kugel hinterher, die immer mal von der Bühne kullert.

Das volkstümlich überlieferte Märchen, das unter anderem von den Brüdern Grimm wiedergegeben wurde, fängt in der Inszenierung von Ania Michaelis mit den Worten an: "Diese Geschichte ist eigentlich eine Lüge. Aber wahr ist sie doch. Denn sonst könnte man sie ja nicht erzählen." Und [erzählt wird, wie] der Hase den Igel hochmütig in seiner Sportlichkeit abwertet und der Igel den Hasen dann für seine Überheblichkeit mit einer List bestraft. [...]

Die Bühne des Weiten Theaters bietet nach dem Abschluss des eigentlichen Märchens aber noch eine zweite, eine Alternativversion, in der der Igel den Hasen vor dem verhängnisvollen Ende warnt, der Hase seinen Hochmut einsieht und verspricht, sich nicht mehr über die kurzen Beine und schlechte Konstitution des Igels lustig zu machen.

Und um zu zeigen, dass am Ende alle Beteiligten mehr davon haben, wenn sie Verständnis für die eigenen Schwächen und die anderer haben, gibt es dann tatsächlich auch für alle köstlichen Zitronenkuchen zum Probieren.
Annette Stührmann, Berliner Abendblatt vom 18. Juli 2009